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Über dem Abgrund

Lüen im Schanfigg

Letzten Samstag, den 3. August 2019,  war es soweit: Die Schatzsuche der Werkstatt Waltensburger Meister hat begonnen. An vier Samstagen werden unter kundiger Führung vier besondere Werke des Waltensburger Meisters gezeigt. Den Anfang machte Lüen im Schanfigg, wo Sidonia Kasper die in ihrer Art einmaligen Fresken präsentiert hat

Bereits die Anreise mit der Rhätischen Bahn ist ein Erlebnis. Während die Bahn in Chur noch wie ein Tram auf der Strasse fährt, wird sie ab dem Eingang ins Tobel der Plessur zur veritablen Bergbahn, die an steilen Hängen langsam über Brücken und durch Tunnels kriecht. Eine Stunde braucht sie für die 26 Kilometer und 1000 Höhenmeter durchs Schanfigg bis Arosa. Lüen-Castiel liegt – leider – ziemlich am Anfang dieser Strecke.

Der Bahnhof befindet sich mitten im Hang unterhalb des Dorfes Lüen und oberhalb des Talgrundes, zu dem ein steiler Weg hinunter führt, der auf der anderen Seite nach Tschiertschen hochgeht. 710 Meter in den Talboden reicht auch die Druckleitung des Elektrizitätswerkes Lüen, das 1914 in Betrieb genommen wurde und heute elektrische Energie erzeugt, die dem Jahresverbrauch von rund 18‘000 Haushaltungen entspricht (54 GWh).

Der Weg nach oben, nach Lüen, dauert vom Bahnhof aus rund 15 Minuten. Das kleine Haufendorf (74 Einwohnerinnen und Einwohner im Jahr 2000) steht am Rande des Steilhanges dort, wo es flacher wird. Es ist von Wiesen und Obstbäumen umgeben. Die erste bekannte Urkunde, die Lüen erwähnt, ist die Stiftungsurkunde von 1084, in der die freien Lüener die neu erbaute Kirche dem Bischof von Chur schenkten. 1530 schloss sich die Gemeinde der Reformation an. Ende des 16 Jahrhunderts wechselte sie von der romanischen zur deutschen Sprache. 1875 – 77 wurde die Schanfiggerstrasse gebaut, die 200 m oberhalb von Lüen durch Castiel führt. 1914 wurde nicht nur das Kraftwerk, sondern auch der Bahnhof der Arosalinie gebaut. Seit 2013 ist Lüen zusammen mit Calfreisen, Castiel, Langwies, Molinis, Peist und St. Peter-Pagig Teil der Gemeinde Arosa.

Die Kirche von Lüen entstand 1084 als romanischer Bau. Die Ausmalung durch den Waltensburger Meister im 14. Jahrhundert wurde in der Reformation zugedeckt und erst 1926 wieder freigelegt. Die Fresken zeigen im Osten eine Apostelreihe, an der Südwand Szenen aus dem Leben Jesu und an der Nordwand Darstellungen aus der Passion.

Die Fresken weisen im Werk der Werkstatt des Waltensburger Meisters einige Besonderheiten auf, die Sidonia Kaspar anlässlich ihrer Führung klar und nachvollziehbar herausgearbeitet hat. Es ist immer wieder interessant, Führungen unterschiedlicher Fachpersonen zu den gleichen Fresken beizuwohnen. Stets scheinen neue Aspekte auf. Anschliessend haben die Anwesenden spekuliert, wie das gesamte, zum Teil leider abgegangene Bildprogramm ausgesehen haben mag.

Die Schatzsuche geht weiter und bietet noch drei Gelegenheiten, einige der Preziosen des Waltensburger Meisters näher – oder von einer neuen Seite – kennenzulernen. Sie findet jeweils an einem Samstag-Nachmittag statt, und zwar am 17. August mit Susanne Hesselbarth in Dusch (15 Uhr), am 31. August mit Orlando Fetz in Rhäzüns (15 Uhr) und am 14. September mit Annegret Diethelm in Waltensburg/Vuorz (10 und 14 Uhr). Nähere Angaben sind unter www.waltensburger.ch/angebote zu finden.

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