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Viel Arbeit mit der Arbeit

Ausstellung mit Fotografien aus der Surselva 1900 - 1950

Am Samstag, den 4. Juli 2020 wurde sie eröffnet, die Ausstellung mit Fotografien der Surselva aus den Jahren 1900 – 1950. Genauer: Es sind drei Ausstellungen in drei Häusern, nämlich in der Casa d’Angel in Lumbrein mit Bildern aus der Landwirtschaft, im Museum Regiunal Surselva in Ilanz mit Fotografien zum Handwerk und in der Fotostiftung Graubünden in Chur zur Architektur.

Eröffnet wurde bei strahlendem Sonnenschein. In Ilanz fanden sich dennoch viele Leute ein. Weil es Weisswein gab? Weil auf Ansprachen verzichtet wurde? Oder schlicht wegen der Fotografien?

Die Bilder zeigen Menschen bei der Arbeit – auf dem Bau, in der Mühle, beim Steine klopfen, beim Weben, beim Mähen, bei der Ernte, in der Schmiede – Arbeiten, die damals wohl keinen freien Samstag kannten. Heute, an einem freien Samstag betrachtet, wird die Distanz zum Leben von einst deutlich spürbar. Ein leichtes Schaudern ob der Anstrengungen in früheren Zeiten bleibt zurück.

Die Fotos stammen von namhaften Fotografen und Volkskundlern wie Ernst Brunner, Walram Derichsweiler oder Alfons Maissen. Ausgewählt und zusammengestellt hat sie Guido Magnaguagno. Er wurde als international bekannter Ausstellungsmacher und Fotoliebhaber um Rat gefragt. Das sei schnell in Arbeit ausgeartet und schon bald sei er zum Kurator befördert worden, meinte er an der Eröffnung. Im Gespräch lobte er die hervorragende Zusammenarbeit mit allen Beteiligten, von den Leiterinnen und dem Leiter der drei Häuser bis zu demjenigen, der die Nägel eingeschlagen hat. Magnaguagno zeigt sich begeistert vom reichen kulturellen Erbe der Surselva.

Dieser Reichtum kommt in der Ausstellung in Ilanz überzeugend zur Geltung. Beeindruckt haben mich jedoch in erster Linie die abgebildeten Menschen, die dieses Kulturerbe hinterlassen haben, wie sie konzentriert bei der Arbeit sind, derart stolz auf ihr Tun, dass sie für den Fotografen die schönen Kleider angezogen haben. Am besten gefallen hat mir der Holzhauer aus Vrin in einer Aufnahme von Walram Derichsweiler aus dem Jahre 1912. Seine strahlenden Augen, seine aufrechte Haltung mit dem geschulterten Werkzeug zeugen von einer Unternehmungslust, die keine Mühsal kennt.

Es gibt viel zu entdecken in dieser Ausstellung – in den Fotografien, in den beigefügten Objekten und Schriften, im Begleitprogramm. Und das ist nur eine von drei Ausstellungen. Die beiden in Lumbrein und in Chur konnte der Reporter der Werkstatt Waltensburger Meister an diesem Samstag nicht besichtigen. Das wäre zu viel Arbeit gewesen.

Die Ausstellungen sind bis zum 2. Mai 2021 zu sehen. Die Öffnungszeiten sowie das Begleitprogramm finden sich auf den Webseiten der beteiligten Häuser:
Casa d’Angel
Museum Regiunal Surselva
Fotostiftung Graubünden

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